Das Chamäleon verwandelt sich äußerlich, um sich an seine Umwelt anzupassen, und ist dann kaum von ihr zu unterscheiden; was in einem Chamäleon vorgeht, ist wenig bekannt.
Der Mensch verwandelt sich äußerlich um in seiner Umwelt unterscheidbar zu sein, während er sich innerlich bis zum Verschwinden anpasst.
Ich befasse mich mit Stimmungen und Stimmen. Und gelegentlich mit der Frage, was stimmen könnte, und was so nun ganz bestimmt nicht stimmen kann. Wenn mir jemand von der terlusol-logischen Warte aus sagt: „Du bist deine Stimme“, kann das so nicht stimmen, weil meine Stimme in nunmehr über vierzig Berufsjahren ein erstaunlich robustes Eigenleben geführt hat, was man von meinen übrigen Körpern beim besten Willen nicht sagen kann. Und wenn Alavi Kia weiß, dass „die Stimme, Spiegel der Seele“(stimmt das so?) ist, kann das stimmen, weil keiner genau sagen kann, wie und worin sich eine so immaterielle Sache wie die Seele eigentlich spiegelt. Die Konsequenz ist allerdings etwas beklemmend, dass dann nämlich stimmliche Probleme grundsätzlich auf psychischen Störungen beruhen müssen, und nicht etwa auf falschem Gebrauch und dilettantischer Unterweisung
Mit einiger Bestimmtheit kann ich allerdings sagen , dass die Mehrheit der nichtprofessionellen Stimmbenutzer, und nicht nur die, nicht ihre Stimme sind, und diese Identität auch ziemlich unsinnig ist. Oder etwas verständlicher und mit einer erträglichen deutschen Grammatik: selbstverständlich gibt es Wechselwirkungen zwischen den Befindlichkeiten des Stimmbenutzers und seiner Stimmqualität, aber es gibt so viele andere „stimmbildende“ Komponenten, die nicht auf der persönlichen Veranlagung sondern auf imitatorischen Lernprozessen beruhen, dass solche Aussagen völlig wertlos sind.
